Das kubanische Regime finanziert sich teilweise durch sklavereiartige Zwangsarbeit – auch für Luxusgüter wie die legendären Longfiller.
Ein licht- und luftdurchflossener Raum, in dem konzentrierte Zigarrenroller beim Duft von Tabakblättern an ihren Pulten sitzen, dazu ein Vorleser? Das wäre die typische Vorstellung von kubanischer Zigarrenproduktion. Nach Berichten aus dem kommunistischen Inselstaat dürfte die Realität zumindest teilweise ganz anders aussehen.
Luxusprodukte aus Zwangsarbeit
Rund die Hälfte der etwa 140.000 Insassen von 242 kubanischen Gefängnissen stellen in Zwangsarbeit exportwichtige Güter her. Holzkohle, Zuckerrohrprodukte und auch Zigarren entstehen so unter sklavereiähnlichen Bedingungen: 16-Stunden-Tage, ständiges Ausgesetztsein gegenüber Druck und Gewalt, ein völliges Fehlen von Ausbildung oder Werkzeugen und eine teilweise „Bezahlung“ von umgerechnet 6 Euro im Monat (der kubanische Durchschnittslohn liegt bei 100 €) ziehen sich durch die 53 Interviews, welche die spanische NGO Prisoners Defenders zwischen April und August dieses Jahres zusammengetragen hat.
Vorsichtige Schätzungen gehen von zumindest sieben Haftanstalten mit angeschlossener Zigarrenproduktion aus, die zusammengerechnet mehr als 11,5 Mio. Zigarren im Jahr produzieren. Die von zivilen Experten beaufsichtigten Gefängnisinsassen (teils von Hochsicherheitstrakten) haben ein Tagesziel von 60 Longfillern pro Person zu erfüllen. Dieses Ziel gilt allerdings erst als erreicht, sobald diese 60 Stück die Standards für das Label „Exportqualität“ erfüllen. Der Aufsichtsbehörde Tabacuba zufolge geht es vorrangig darum, Häftlinge für ihre Zeit in Freiheit beruflich zu qualifizieren; die so hergestellten Mengen seien eher symbolisch zu sehen. Zudem sei die Teilnahme an diesem Programm freiwillig, die Insassen würden Anreize und Vergünstigungen für
ihre Arbeitskraft bekommen.
Interviews mit Ex-Häftlingen und Familienangehörigen zeichnen freilich ein anderes Bild: Wer das „Angebot“ nicht annimmt, verliert Rechte wie den Besuch durch die Familie, werde psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt und/oder riskiere den Verlust seiner Bewährungsanhörung. Von den 53 Zwangsarbeitern erhielt ein Drittel gar kein Geld, fast die Hälfte erfuhr Abzüge für Arbeitsmittel, Kleidung, Nahrung und Wasser.
Luxus „Made in Häfn“?
Dazu kommt, dass unklar bleibt, welche Zigarrenmarken – weil in der Gefängnisproduktion noch ungelabelt – zumindest teilweise aus Zwangsarbeit stammen. Der Bericht von Prisoners Defenders erwähnt allerdings selbst die Premiummarke Cohiba. Alleine im Zigarrenbereich machen in Zwangsarbeit hergestellte Sticks mittlerweile rund 7,5 Prozent des nationalen Produktionsvolumens aus. Und die Qualitätsanforderungen machen nochmals klar, dass die „Gefängniszigarren“ keineswegs als billige Rauchware auf dem Inlandsmarkt landen. Die Erlöse der Exporte so hergestellter Produkte fließen direkt in die Kassen des kubanischen Regimes.
Den vollständigen Artikel können Sie ab 13. November in der druckfrischen Printausgabe nachlesen.
