Seit 1. Mai ist Stephan Heyng Landesgeschäftsführer von BAT Österreich. Wir haben den Deutschen nach einem turbulenten Sommer zum Gespräch gebeten.
Österreich gehört ja nach den skandinavischen Ländern zu jenen Märkten, in denen Nikotinpouches am stärksten nachgefragt werden und auch weiter wachsen. Worin sehen Sie die Gründe dafür – und gibt es eine „Sättigungsgrenze“?
Ich denke, dass hier eine interessante Produktkategorie auf einen dazu passenden Zeitgeist trifft. Das wird durch gute Aufklärung und Information der Konsumenten weiter unterstützt. Die Produkte sind halt auch diskreter, beim Konsum nicht von außen erkennbar und stören die Umgebung nicht.
Wir stehen aber eigentlich immer noch am Anfang und das Segment wächst kontinuierlich weiter, ohne dass sich ein Plateau ankündigen würde. Das gilt natürlich nur so lange, wie es eine Regulierung mit Augenmaß gibt. Aber Österreich hat bei Regelung und Besteuerung einen vernünftigen Weg beschritten – das wäre ein gutes Vorbild für den Umgang mit NGPs außerhalb von Österreich.
Im vergangenen Sommer hat BAT das „Rennen“ gegen PMA um die Markteinführung eines Tabakerhitzers neuester Generation gewonnen. Und dann kamen rasch Lieferprobleme. Wurde BAT hier von seinem eigenen Erfolg überrascht? Oder war die Nachfrage einfach viel höher als in anderen Märkten?
Das Team hat in der Pre-Launch-Phase einen wirklich guten Job gemacht; das Interesse war bei Trafikanten wie Konsumenten ausgesprochen hoch. Diesen Erfolg bei den Konsumenten hatten wir aber nicht erwartet. Österreich ist auch einer der ersten Märkte in Europa, wo glo Hilo gelauncht wurde. Die Innovation trifft hier offenbar auf hohes Interesse der Konsumenten. Dazu hat sicher auch die Neugierde beigetragen, etwas Neues ausprobieren zu wollen.
Der Marktstart ist also eigentlich sehr gut verlaufen. Leider Gottes haben wir mehrere Wochen die Nachfrage nicht ausreichend bedienen können. Die Produkte werden ja auch nicht in der Nachbarschaft produziert, was sich auf Lieferwege und -zeiten auswirkt. Jetzt sind wir wieder vollständig lieferfähig. glo Hilo ist aber dennoch Woche für Woche in seinem Marktanteil gewachsen. Da bedanke ich mich auch ganz herzlich bei unseren Partnern, den Trafikantinnen und Trafikanten, die das ermöglicht haben! Und entschuldige mich gleichzeitig dafür, dass wir die Nachfrage nicht vollständig bedienen konnten.
Die EU arbeitet derzeit sowohl an der Tabaksteuer-Richtlinie, als auch an einer TPD3. Was hören Sie dazu aus Brüssel?
Das ist natürlich ein Riesenthema für uns als Industrie! Aber es betrifft auch sehr stark den Handel. Etwas seltsam ist dabei, dass viele Produkte, die gar keinen Tabak enthalten, unter Gesetze mit der Bezeichnung „Tabak“ gereiht werden. Eine Reglung und Besteuerung mit Augenmaß, also nach dem Risikoprofil der jeweiligen Kategorie gestaffelt, wäre das einzig Richtige.
Natürlich wäre es von Standpunkt der Gesundheit am Besten, gar kein Nikotin zu konsumieren. Wer aber sowohl Zigaretten als auch deren weniger schädliche Alternativen zu hoch besteuert und bepreist drängt die Konsumenten unweigerlich in den Schwarzmarkt. Dann sieht es mit Jugendschutz, sicherer Produktqualität, Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen gleichermaßen düster aus. Diese Erfahrungen machen alle Hochpreis-Länder. Es scheint nur, als würde diese Lektion gerne von Politikern ausgeblendet.
Denken Sie, dass der österreichische Ansatz der Regulierung und Besteuerung Vorbildfunktion haben könnte oder gar sollte?
Österreich hat da ganz bestimmt seinen Beitrag geleistet – jetzt geht es darum, dieses Beispiel für konstruktive Regelung statt realitätsferner Verbote erfolgreich nach Brüssel zu tragen. Insofern wünsche ich mir, dass sich die österreichische Politik stark einbringt – auch, um das hier Erreichte zu schützen!
Das vollständige Interview können Sie ab 16. Oktober in der druckfrischen Printausgabe von TRAFIK aktuell nachlesen.
