In diesem Jahr der zahlreichen Veränderungen haben wir einmal mehr den Wiener Obmann Andreas Schiefer vors Mikrofon geholt. Foto: mh
In den vergangenen Jahren ist speziell die Zahl kleiner Trafiken in Großstädten wie Graz und Wien stark zurück gegangen. Wie sind die Trafikanten der Bundeshauptstadt aus Sicht ihres Obmanns für die Zukunft aufgestellt?
Ich glaube nicht, dass diese Schrumpfung schon beendet ist. Die Frage ist ja auch, wie sich Strukturbereinigung definiert: Reicht es, schwache Geschäfte nicht nach zu besetzen? Oder sollte beispielsweise aus zwei schwachen Trafiken künftig eine lebensfähige entstehen?
Sind die verbleibenden Geschäfte prinzipiell nun so gerüstet, wie Sie dies seit Jahren fordern? Also tragfähig genug, um mittel- und langfristig ihrem mehrheitlich behinderten Betreiber das Arbeiten mit Angestellten zu ermöglichen?
Da muss man bei einigen Geschäften sicher noch nachjustieren. Die Benchmark legen ja die Sachverständigen in der Bewertung der Trafiken. Ob ein Geschäft Mitarbeiter trägt hängt sehr stark von Miethöhe und anderen Kosten ab; da ergibt das Bertl-Bewertungssystem schon Sinn.
Mein Ansatz besteht darin, jeweils sehr lokal auf die spezifischen Gegebenheiten zu sehen. Wenn beim Zusperren einer von drei Trafiken die beiden anderen profitieren muss das nicht schlecht sein. Andererseits ist die Zahl von 500 Trafiken in Wien eine kritische Menge, die aus meiner Sicht nicht unterschritten werden sollte. Ein paar Rauchringe in jedem Grätzl müssen schon sein!
Mit glo von BAT kommt im Juli ein weiterer Tabakerhitzer auf unseren Markt und wird wohl nicht der letzte Neuzugang dieser Kategorie bleiben. Denken Sie, dass die Abwanderung der Konsumenten von Tabak zum Erhitzen ins Ausland so gestoppt oder gar umgekehrt werden kann?
Ich schätze, dass in Wien 35-45 Prozent der konsumierten Heets aus dem Ausland stammen. Da gehe ich davon aus, dass wir 60-80 Prozent dieser Kunden mit dem Vorhandensein eines moderneren Produkts und eines breiteren Angebots zurückholen können. Glo selbst kenne ich noch nicht, da wird der Marktanteil wohl ähnlich wie in anderen europäischen Märkten liegen.
Von der Zigarette kennen wir es ja schon, dass der neue Anbieter vielleicht nicht so stark an sein neues Produkt glaubt und eher versucht ist, sich seinen Marktanteil über den Preis zu holen. Mit einem Preiskrieg verlieren wir Trafikanten aber immer an Marge – ich hoffe also sehr, dass da selbstbewusst kalkuliert wird.
Kommen wir zu einer strukturellen Frage: Einerseits würde immer mehr Verkaufsfläche benötigt, um das rasch wachsende Angebot einer Trafik gut präsentieren zu können. Auf der anderen Seite ist der Zug der Konsumenten zum Automaten unübersehbar. Gibt es ein Patentrezept, an welchen Standorten die eine oder andere Idee den Vorzug bekommen sollte?
Wir müssen mittelfristig beides abdecken. Die Kunden, die nicht sprechen wollen, müssen am Automaten fündig werden. Die anderen, die Auswahl und Beratung schätzen, müssen aber auch bedient werden – man will ja alle Kunden erreichen und nicht einen Teil verlieren. Und letztlich muss sich beides rechnen.
Das ist so ähnlich wie beim Bezahlen: Da muss ich auch beides ermöglichen, unabhängig davon, was der Trafikant persönlich favorisiert. Sonst pfeifen die Kunden auf einen Standort gehen zum Kollegen, der sie nicht in eine Richtung drängt.
Was macht im Augenblick den Trafikanten das Leben unnötig schwer?
Industrien, die den Markt nicht verstehen. Und damit meine ich die klassische Tabakindustrie: Preisspiele bei Nikotinpouches kann sich die Industrie leisten, uns kosten sie aber Spanne – dabei hat kein einziger Kunde über die höheren Preise gejammert. Die Kunden sind in diesem Bereich nicht preissensibel wie der Zigarettenraucher! Der Preiskampf bei Pouches ist so gesehen nicht nur kontraproduktiv; er erzieht Pouchkonsumenten auch potenziell zu einer Preissensibilität, die vorher nicht vorhanden war. Deshalb unterstelle ich der Industrie, dass sie ihre eigenen NGP-Kunden nicht kennt.
Gibt es auch etwas in der Branche und in diesem Jahr, auf das Sie sich freuen?
Ja, auf die Veranstaltung Ende September, die von den Landesgremien von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in der Pyramide bei der SCS veranstaltet wird. Wir stehen allen Bundesländern und Ausstellern offen und natürlich freue ich mich, viele bekannte und neue Gesichter zu treffen. Weil es wichtig ist, sich zu treffen und auszutauschen.
Es gibt ja sonst nur die Fachgruppentage, aber die unterliegen ihren eigenen Kostenproblemen. So können wir unseren Partnern die Chance bieten, länger als eine paar Stunden für ihre Kunden da zu sein. Die Logistik ist die selbe, dazu ist die Pyramide verkehrstechnisch sowohl öffentlich, als auch individuell gut erreichbar und bietet auch ein Hotel, wenn jemand übernachten möchte.
Das ist jetzt einmal ein Erstling – wenn er sich bewährt kann man Vergleichbares ja nach positiver Evaluierung wiederholen.
Den vollständigen Artikel können Sie ab 9. Juli in der druckfrischen Printausgabe von TRAFIK aktuell nachlesen.
