Wir haben mit Blick auf die Änderungen bei Pouches und Vapes mit Bundesgremialobmann Otmar Schwarzenbohler gesprochen. Foto: Michael Schelberger
Im Vorjahr lag der Spannenzuwachs bei Zigaretten erstmalig seit mehreren Jahren wieder deutlich unter der Inflation. Wie hat sich das auf die heimischen Trafiken ausgewirkt?
Das stimmt so nicht. Angesichts der Inflation der letzten Jahre hatten wir keine Spannenzuwächse von 8-9 Prozent bei Tabakwaren. Erst durch das Sinken auf 3,5 Prozent sind wir wieder in Bereiche gekommen, wo in dieser für uns so wichtigen Produktgruppe verdient wird. Und wenn der Preis um 5% steigt, bleiben ja nicht 5 Prozent für uns übrig!
In die Spannenentwicklung hat uns der hohe Verlust bei den Tabakerhitzern reingeregnet, da haben wir im Zuge der Steuererhöhung des Vorjahres von 1,10 Euro auf 1 Euro verloren. Ohne die Mindesthandelsspanne wären wir sogar auf 90 Cent abgestürzt.
Es geht aber jetzt keiner Trafik schlecht deswegen. Immerhin haben wir in den Jahren davor die fehlenden Spannenerträge aus dem Tabak durch die Zuwächse bei den NGPs auffangen können. 2024 war – wenn man sich die Bilanzen anschaut – mit einzelnen Ausnahmen aufgrund des Anstiegs bei Pouches und Vapes sogar ein besonders gutes Jahr.
2025 hat sich allerdings ausgewirkt. Jetzt warten wir auf die neuen Tabakerhitzer, weil der Kaufkraftabfluss ins Ausland doch hoch war – im 2. Halbjahr 25 betrug dieser schon 42-48 Prozent! Das merkt man ja auch im Geschäft, wo dauernd nach Produkten gefragt wird, die es bei uns nicht gibt. Heets wie bei uns gibt es dafür fast nirgendwo mehr.
Durch die sinkende Inflation beruhigt sich die Kostenfront gerade. Ohne die NGPs wären wir in den Jahren mit hoher Inflation aber richtig aufs Gesicht gefallen.
Schon in den vergangenen Jahren war wiederholt von Trafikanten zu hören, dass es sich geschäftlich nur noch wegen Spannenbringern wie Pouches und Vapes ausgeht. Nun werden diese ab April besteuert und die Pouches zusätzlich preisgebunden. Werden die Trafikanten ausreichend von Mehrverkäufen profitieren können, um das zu kompensieren?
Davon gehe ich schon aus. Rund ein Drittel des Gesamtmarkt-Umsatzes ist außerhalb der Trafiken verkauft worden. Und da spreche ich nicht nur über Tankstellen, es ist auch viel über Automaten und freien Handel bei den Konsumenten gelandet. Also wächst uns mengenmäßig einiges zu.
Ich sehe den Ball jetzt sehr stark bei BAT – die sind Marktführer und haben bisher nicht mit dem VK reagiert. Besonders bei starken Pouches sind ja bis zu 23,94 Gramm in einer Dose, das sind fast 10 Gramm mehr als bei durchschnittlich starken Pouches. Bei einer gewichtsabhängigen Steuer, wie wir sie haben, ist also die stärkere Variante viel höher besteuert – bislang bei gleichem Preis. Das muss man mit XL-Packungen bei Zigaretten vergleichen. Die gibt es auch nicht um den Preis einer 20er-Packung. Und es hat in den vergangenen fünf Jahren weder eine Preis- noch eine Spannenerhöhung gegeben. Hier sehe ich den Marktführer klar in der Verantwortung.
Ich glaube aber nicht, dass wir ein Preisproblem bekommen werden – immerhin haben die Kunden schon bisher in den Tankstellen 8 Euro für eine Pouchdose bezahlt, obwohl der Großteil der Trafiken zum UVP verkauft hat. Mit einem höheren Preis verdienen diese Trafikant:innen dann sogar mehr.
Bei E-Zigaretten und Liquids haben wir eine ganz andere Situation: Durch das Fehlen eines KVP ist jeder für seinen Preis und damit auch seine Spanne selbst verantwortlich. Dem seit Jahren unveränderten UVP zu folgen ist zwar bequem, aber nicht sinnvoll. Ich habe zum Beispiel statt 8,50 für Elfbar als Einziger in St. Pölten 9,90 Euro verlangt und auch keine schlechten Umsätze gemacht.
Generell lässt sich sagen: Jetzt wissen die Kunden sogar, dass eine neue Steuer kommt – das ist der ideale Zeitpunkt, an den Preisen von Vapes und Liquids zu drehen, weil die Konsumenten eine Preiserhöhung regelrecht erwarten.
Was bringt ein Aufstocken der Lagerbestände von Pouches und Vapes bzw. Liquids vor dem 1. April dieses Jahres? Wie groß ist der Unterschied bei der Spanne, wenn die Produkte noch ohne Tabaksteuer beschafft wurden?
Es bringt auf jeden Fall einmal einen Unterschied in Höhe der Steuer, also rund 40 Cent pro typischem 2-Milliliter-Pod; da lukriere ich zwischenzeitlich schon einen schönen Spannenzuwachs, wenn ich ohne Steuer ein-, aber zum neuen Preis verkauft habe. Die Frage ist eher, ob die Großhändler überhaupt noch Bestände haben, die kurzfristig abzurufen sind.
Bei den Pouches ist das schwer zu beurteilen, weil wir Ende Februar die neuen Preise der Pouches immer noch nicht kennen. Fix ist jedenfalls, dass künftig rund 50 Cent Steuer auf jeder Pouchdose liegen werden. Bei nicht entsprechend angehobenem Preis fallen wir bei einem Durchschnittspouch mittlerer Stärke auf eine Spanne von etwa 1,42 Euro hinunter, bei stärkeren Varianten noch tiefer.
Das vollständige Interview können Sie ab 13. März in der druckfrischen Printausgabe von TRAFIK aktuell nachlesen.
